Führung durch die ditib-Moschee in Bamberg am 19.11.2015

Gruppenbild 1

Am vergangenen Donnerstag machten sich zahlreiche Jusos aus dem Landkreis zusammen mit einigen Interessierten auf den Weg zu einer, von den Jusos Hirschaid organisierten, Führung durch die Bamberger ditib-Moschee.  Noch vor Beginn gab es die Möglichkeit dort im kleinen Laden, welcher für jedermann offen steht, türkisch-orientalische Importwaren einzukaufen. Besonders die landestypischen Süßspeisen hatten es uns angetan. Danach konnten wir zusammen mit der studierten Theologin Daniela Isljami, die die Führung leitete, das Nachtgebet in den Moscheeräumen miterleben – zweifelsohne eine besondere Erfahrung. Im Anschluss gab uns Frau Isljami in einem gemeinsamen Sitzkreis einige grundlegende Informationen über die Gemeinde des türkischen Dachverbandes ditib in Bamberg und den Islam als Religion im Allgemeinen.

Die ditib-Moschee sei eine von drei Moscheen in Bamberg,  so existiere nämlich außerdem auch eine deutsch-arabische Moschee in der Pödeldorfer Straße, sowie eine des VIKZ in der Jäckstraße. Neben den Gebetsräumen beherberge das Gebäude auch die Wohnung des Imam, welcher in Bamberg immer durchschnittlich für eine Zeit von vier bis fünf Jahren verweile, sowie eine Wohnung für eine Gasttheologin.  Zusätzlich zu den zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen, wie z.B. dem Tag der offenen Tür, organisiere man auch beispielsweise während dem Fastenmonat Ramadan jeden Abend ein gemeinsames Essen auf dem Moscheegelände, bei dem interessierte Gäste kostenlos speisen können.  Des Weiteren gäbe es eine Frauengruppe, Arabisch & Islamunterricht in türkischer Sprache, sowie gelegentlichen Nachhilfeunterricht. Zusätzlich zur Moschee gehören auch Waschräume, ein kleines Café, ein Gruppenraum, sowie der Anfangs erwähnte kleine Laden. Dieser habe auch sonntags geöffnet und erfreue sich nicht nur bei den Bamberger Muslimen großer Beliebtheit sondern z.B. auch bei  Mitgliedern der jüdischen Gemeinde.

Daraufhin wurden uns die einzelnen Elemente des Gebetsraumes erklärt. Neben der Gebetsnische (mihrab), welche die ‚qibla‘, die Gebetsrichtung nach Mekka anzeige und als Platz für den Imam, den Vorbeter diene, war auch eine ‚minbar‘, die Kanzel, von der die Freitagspredigt (chutba) gehalten wird zu sehen. Die Freitagspredigt könne alle möglichen gesellschaftlichen Themen betreffen. Außerdem befindet sich im Gebetsraum noch der ‚kursī‘, eine Art erhöhter Lehrstuhl für Vorträge.

Bezüglich der islamischen Religionslehre erläuterte Frau Isljami die sechs essentiellsten Dinge, an die man glauben sollte, um Muslim zu sein: 1. der Glaube an Gott, 2. der Glaube an die Engel bzw. Erzengel Garbiel (Dschibril), Michael (Mikail) und Raphael (Israfil), 3. der Glaube an die Offenbarungen Torah, Evangelium und Koran, 4. Der Glaube an die Propheten, beginnend mit Adam, über u.a. Noah, Mose, Jesus und endend mit Mohamed als „Siegel der Propheten“, 5. Der Glaube an den jüngsten Tag und 6. der Glaube an Koexistenz von Bestimmung, Fügung und freiem Willen.

Neben diesen Voraussetzungen existieren auch die „fünf Säulen des Islam“, welche 1. aus dem Glaubensbekenntnis (Schahāda), 2. dem fünfmaligem Gottesdienst am Tag (Salāt), 3. der Zakāt, der jährlichen Abgabe an Bedürftige (etwa 2,5% des Plus-Vermögens), 4. dem Fasten im 30-tägigen Monat Ramadan (Saum) und 5. dem Haddsch, der Pilgerfahrt nach Mekka, einmal im Leben, bestehe. Dennoch schränkte Daniela Isljami diese Gebote auch ein: die Pilgerfahrt antreten solle nur, wer auch finanziell und gesundheitlich dazu in der Lage sei. Auch das Fasten im Ramadan, einem der Monate des Mondkalenders, welcher durch unser Sonnenjahr läuft, gelte nur für den, der auch gesund sei. So seien z.B. Kinder, Schwangere oder ältere Menschen davon ausgeschlossen. Ebenso räumte sie ein, dass die Bezeichnung „fünf Mal tägliches Gebet“ irreführend sei, da es sich hierbei eher um einen ca. 5 minütigen, in der Sprech- und Bewegungs-Abfolge weltweit unveränderten,  gottesdienstlichen Ritus handle. Dieser könne bei Verpassen der Gebetszeit auch nachgeholt werden. Das freiwillige, individuelle Bittgebet sei davon separat und frei und werde ‚Duʿā’‘ genannt.  Beim rituellen Gottesdienst in der Moschee seien Männer und Frauen getrennt, um anzügliche Blicke bei der Niederwerfung zu vermeiden. Zum Verrichten von diesem sei die rituelle Reinheit wichtig, welche mittels einer kleinen Waschung (Wuḍūʾ, Hände, Arme, Füße und Gesicht) vor dem Gebet hergestellt werde. Nach groben Verunreinigungen und etwa Geschlechtsverkehr sei eine große Waschung mit Dusche (ghusl) erforderlich.

Allgemein sei die Bamberger ditib-Gemeinde sehr offen und vielfältig, so Isljami. Nicht nur türkische Mitbürger würden hier beten sondern Gläubige aus den verschiedensten Nationen der Welt, wie z.B. bis zum letzten Jahr Mitglieder der US-Streitkräfte in Bamberg. Auch vor der aktuellen Situation verschließe man sich nicht. Neben der Teilnahme an den Friedensgebeten des Bamberger „Zelt der Religionen“ habe man auch durch einen Abholdienst dafür gesorgt, dass Bamberger Flüchtlinge die Freitagsgebete wahrnehmen können. Auch seien interessierte Gäste jederzeit in der Moschee Willkommen. Ein Dialog mit Vertretern von Stadt und anderen Religionsgemeinschaften und sozialen Einrichtungen sei selbstverständlich. Im Prinzip verfüge die ditib-Gemeinde in Bamberg über alles, außer einem Minarett, welches von vielen Besuchern oft vergeblich gesucht werde, jedoch baulich nur schwer zu realisieren sei.

Wir bei Bedanken und bei Frau Isljami und Herrn Cetindere für die tolle Führung und die Möglichkeit, die Moschee zu besichtigen und hoffen auf einen noch stärkeren Dialog in der kommenden Zeit.

 

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